• 03.11.2017

„Die praktische Prüfung war ein Selbstgänger.“

Heiko Mirke über die Externenprüfung bei Eversfrank in Meldorf.

Es gibt sie immer wieder: Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung, die ihre Arbeit selbstsicher und gut erledigen – obwohl sie keine Berufsausbildung in ihrem Bereich haben. Heiko Mirke war einer von ihnen. 2017 legte er bei der IHK eine Externenprüfung zum Anlagen- und Maschinenführer ab.

Die Eversfrank Gruppe, der zweitgrößte Betrieb für Offsetdruck in Europa, unterstützt seine Mitarbeiter, einen IHK-Abschluss auch ohne vorherige Ausbildung zu erlangen. 16 Externenprüfungen wurden am Standort Meldorf bereits abgelegt – unter ihnen ist Heiko Mirke, der bereits zehn Jahre als Produktionshelfer in der Druckweiter- und Papierverarbeitung tätig ist.

Nachdem Mirke seinen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zum Tischler gemacht hatte, war er mehrere Jahre im Tiefbau, im Gartenbau und bei einem Hausmeisterservice beschäftigt. „Ich habe viel ausprobiert, bevor ich 2005 bei Eversfrank als Produktionshelfer anfing“, sagt der 35-Jährige. Auf die Möglichkeit einer Externenprüfung brachte ihn der Betriebsrat Ulf Skerra. Diese ermöglicht die Teilnahme an einer Abschlussprüfung, sofern die Mitarbeiter mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungszeit, in der Regel 4,5 Jahre, im Beruf tätig sind. 2016 legten 138 Prüflinge eine Externenprüfung bei der IHK Flensburg ab.

„Die praktische Prüfung war ein Selbstgänger“, sagt Mirke. „Es ist ja das, was ich jeden Tag mache.“ Als Anlagen- und Maschinenführer ist er für die Abwicklung der Aufträge, etwa an Offset- Druckmaschinen, verantwortlich. Dazu gehören die Einrichtung, Umrüstung, Bedienung und Reparatur der Maschinen. „Ich bekomme den Auftrag und lese heraus, welches Material benötigt wird, also welches Papier und welche Platten.“ Die Platten werden von Mirke vorbereitet und abgekantet. „Anschließend fixiere ich die Rolle in der Maschine. Da hängt auch viel Computerarbeit dran, denn es kommt auf die Rollenbreite und die entsprechenden Einstellungen an.“

Derzeit bildet der Familienbetrieb am Hauptsitz in Meldorf 21 Azubis in sieben Berufen aus, etwa zum Medientechnologen Druck, zum Fachinformatiker oder zu Industriekaufleuten. Doch nicht alle Mitarbeiter haben einen klassischen Werdegang. „Wir haben gute Leute, die auch ohne Ausbildung einen tollen Job machen. Aber einen Abschluss auf Papier zu haben, hat auch etwas mit Selbstwertgefühl und Ansporn zu tun“, sagt Skerra. 2015 nahm er Kontakt zur IHK auf, um sich über alternative Qualifizierungs- und Prüfungsmöglichkeiten zu informieren.

Größte Herausforderung war für Mirke die Theorie – vor allem das Hauptfach Mathematik. Zur Unterstützung der Prüflinge organisierte Skerra Nachhilfe. „Auf die theoretische Prüfung war ich gut vorbereitet“, sagt Mirke, der mit der Gesamtnote Zwei abschloss.

Eversfrank übernimmt die Prüfungsgebühr – doch viel entscheidender: „Nach unserer Betriebsvereinbarung verdient eine ausgebildete Fachkraft natürlich mehr, bis zu zwei Euro die Stunde. Für Heiko, einen Familienvater von zwei Kindern, ist das nicht unwichtig“, sagt Skerra. Natürlich koste das den Betrieb etwas, aber Eversfrank sei auf solche Fachkräfte angewiesen.

 

Autorin: Andrea Scheffler
IHK-Redaktion Schleswig-Holstein
scheffler(at)flensburg.ihk.de

 

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe des IHK-Magazins "Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee", die Sie hier als Blätterkatalog lesen können.