• 16.06.2016

Medienhäuser im Wandel, Hyperlokalität und Echtzeit-Analyse

16. ppi-Tage in Kiel: Branchentreff der Verlage

Am 6. und 7. Juni 2016 trafen sich über 160 Akteure der nationalen und internationalen Verlagsbranche auf den ppi-Tagen im Atlantic Hotel in Kiel, um gemeinsam über die neuesten Entwicklungen und Branchentrends zu diskutieren. Norbert Ohl, langjähriger Geschäftsführer von ppi Media, läutete feierlich die Kundentage ein und gab in diesem Rahmen symbolisch die Glocke weiter an seine Nachfolger Hauke Berndt, Markus Feldenkirchen und Jan Kasten, die gemeinsam ab dem 1. Juli 2016 die Geschäftsführung von ppi Media übernehmen.

Wie können die Medienhäuser die neuen digitalen Herausforderungen bewältigen? Welche Rolle spielt Lokaljournalismus heutzutage für Verlage? Und welchen Einfluss haben Wetterdaten auf den Anzeigenverkauf oder aber auch auf die internen Produktionsprozesse? Diese und viele weitere spannende Fragen standen im Zentrum der diesjährigen ppi-Tage 2016 in Kiel. Insgesamt gaben vierzehn internationale Redner - davon 11 Geschäftsführer - in ihren Vorträgen einen umfassenden Einblick in aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungen für die Verlage. Zudem berichteten Michael Maness von der Harvard Business School und Shannon Kinney von Dream Local Digital aus den USA von Ihren Erfahrungen. Abgerundet wurde der Branchentreff durch ein ansprechendes und unterhaltsames Rahmenprogramm am Abend.

Diversifikation als grundlegender Lösungsansatz

Die Medienbranche befindet sich im Umbruch. Die Printauflagen sind meist rückläufig und es müssen Strategien erarbeitet werden, die neue Erlösquellen in den Medienhäusern sichern. Ein grundlegender Lösungsansatz ist hierbei die Diversifikation des Produktportfolios, um das Risiko zu streuen und nicht nur auf eine Monostruktur zu setzen.

Dieser Ansatz wird bereits von großen Verlagshäusern verfolgt, die auch auf den ppi-Tagen 2016 vertreten waren. Stephan Marzen, Geschäftsführer der Rheinischen Post – RP Digital aus Düsseldorf, erläuterte ausführlich in seinem Vortrag die Neuaufstellung der Rheinischen Post mit dem Fokus auf das Digitalgeschäft und ein umfangreichen Zusatzangebot in neuen Geschäftsfeldern, wie z.B. Immobilien, Radio & TV oder Übersetzungs- und Dokumentenmanagement. Auch Christoph Rüth, Geschäftsführer der Madsack Mediengruppe aus Hannover, erklärte in seinem Vortrag, wie sich die Gruppe bereits dieser Herausforderung gestellt und das Thema Diversifikation in einer neuen, flexibleren Konzernorganisation berücksichtigt hat.

Mittlerweile gehören neue Geschäftsfelder wie z.B. Postdienstleistungen und Ticketing & Events auch zum Produktportfolio des größten Regionalverlags in Nord- und Ostdeutschland.

Neben den strategischen Veränderungen ist und bleibt aber auch immer noch die technische Ausstattung die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung dieser neuen Strategien. So betonte Christian Wagner, geschäftsführender Redakteur der Weser-Kurier Mediengruppe, in seinem Vortrag den reibungslosen Einsatz von ppi Media’s Content-X als flexible Redaktionssoftware, um schnell auf die neuen Anforderungen der Digitalisierung in der Medienbranche reagieren zu können.

Hyperlokalität weiterhin im Trend

Hyperlokale Angebote gewinnen immer mehr an Bedeutung für Medienhäuser: Lokaljournalismus mit Anzeigen von regionalen Händlern verknüpfen und über digitale Kanäle wie z.B. Facebook oder WhatsApp direkt veröffentlichen. So können insbesondere regionale Medienhäuser ihre gewünschte Zielgruppe effizienter erreichen und gleichzeitig den lokalen Handel vor Ort wieder stärker in das Anzeigengeschäft integrieren.

Alexander Drößler, Produktmanager Digital bei OWL-Digital, eine Tochterfirma der Neuen Westfälischen, der Lippischen Landes-Zeitung und des Mindener Tageblatts, berichtete in seinem Vortrag über die Erfahrungen mit einer hyperlokalen Strategie und dem Aufbau eines lokalen Nachrichtenökosystems bei der Neuen Westfälischen. Gemeinsam mit dem Nachbarschaftsnetzwerk Lokalportal, dem letzten Gewinner des ppi Media Start-up-Wettbewerbs „Free Coffee For A Year", startete OWL-Digital im April 2016 in zwei Pilotregionen in Ostwestfalen. Alexander Drößler ist bisher begeistert von dem Verlauf der Pilotphase und den positiven Reaktionen der Anwohner, sodass eine Weiterentwicklung des hyperlokalen Ansatzes und ein Monetarisierungsmodell für die Zukunft geplant sind.

Big Data und Echtzeit-Analyse im Anzeigengeschäft

Neben den aktuellen Herausforderungen der Medienhäuser gab es ebenfalls Ansätze für neue Geschäftsmodelle, die von den Referenten auf den diesjährigen ppi-Tagen vorgestellt wurden. So präsentierte unter anderem Dr. Meeno Schrader, Moderator beim NDR und Geschäftsführer von Meteolytix aus Kiel, in seinem Vortrag eine Lösung für wetterabhängige Absatzprognosen. In der anschließenden Diskussion ergaben sich interessante Ansätze für das Anzeigengeschäft der Verlage, um eine verbesserte Conversion-Rate durch relevanten Content zu erreichen. Ebenso können Wetterdaten für die Optimierung interner Prozesse bei den Verlagshäusern genutzt werden, zum Beispiel die Berücksichtigung von Eisglätte im Winter für ein effizientes Zeitmanagement zwischen Produktion und Auslieferung.

Die nächsten ppi-Tage werden am 29. und 30. Mai 2017 in Hamburg stattfinden.